E N T W U R F   B O C C I A H A L L E

WINTERTHUR - GRÜZE



Städtebau und VolumETRIE

Das Industrie- und Gewerbegebiet Grüze in Winterthur ist geprägt durch grosskörnige Baukörper, welche im Umkreis des Projektperimeters vorwiegend dem Wareneinkauf dienen. Die neue Bocciahalle besetzt eine noch unbebaute Freifläche inmitten dieser auf den motorisierten Individualverkehr ausgelegten Nutzungen und reiht sich in deren Gebäudeflucht ein. Die in seiner Höhe gestaffelte Neubauvolumetrie wendet sich der Rudolf-Diesel-Strasse mit der erhöhten Nordfassade zu und zeigt dadurch seine Präsenz im Stadtraum. Die Südfassade mit der vorgelagerten Kolonnade richtet sich zur ruhigeren Erschliessungsstrasse und reagiert damit auf den Einstrahlungswinkel der Sonne.

 

Tragwerk

Das Tragwerk ist als einseitig gerichtetes System mit elf Quer- sowie fünf Längsachsen konzipiert. Es besteht aus jeweils dreiteiligen Stützen mit darauf aufliegenden Trägern aus Brettschichtholz, welche die Spannweiten in Querrichtung des Gebäudes aufnehmen. In Längsrichtung gewährleisten zwischen den Achsen eingespannte Balkenlagen die horizontale Aussteifung und bieten zudem die Unterkonstruktion für den Dachaufbau. Die Stützen leiten die Vertikalkräfte über eine Fussplatte an ein umlaufendes Betonfundament oder Einzelfundamente ab. Die Holzkonstruktion bildet Tragwerk und raumbildendes Element zugleich, denn sie bleibt sowohl an der Fassade wie auch im Innenraum in ihrer tektonischen Fügung ablesbar. Die erhöht liegende «Laterne», welche die eigentliche Halle umringt, wächst aus seiner eigenen Struktur empor und steht mit der Kolonnade im Höhenverhältnis 8 : 5, was dem Goldenen Schnitt entspricht.

 

Fassade und Materialisierung

Die Fassade erhält ihre Prägung durch das gefügte Holztragwerk aus stehenden Stützen und liegenden Trägern. In der jeweils dreiteiligen Stütze wird durch ein mittig platziertes Distanzholz eine Schattenfuge erzeugt, welche der Struktur in sich eine räumliche Tiefe gibt. Durch diese Detaillierung resultiert eine Plastizität, welche in ihrem Ausdruck ein städtisches Gebäude charakterisiert. Die Aussenfassade besteht beinahe vollständig aus grossflächigen Verglasungen, lediglich die seitlich angeordneten Nebenräume erhalten eine horizontal liegende, weiss lasierte Holzschalung mit einer stehenden, naturbelassenen Holzlattung.

 

Grundriss und Innenraum

Der Eingang liegt unter der Kolonnade und führt seitlich in das Gebäude. Die innere Organisation ist klar in Empfang- und Aufenthaltsbereich, Bocciabahnen und Nebenräume aufgeteilt. Mit einem zentralen Korridor in der Mittelachse lässt sich die gesamte Gebäudedimension erfassen. Die am Ende des Mittelgangs liegenden Nebenräume beinhalten Nasszellen und ein Materiallager. Der Innenraum ist zurückhaltend materialisiert. Ein geschliffener Anhydritboden kontrastiert mit den in Umrandungen liegenden Bocciabahnen mit ihrem Kunststoffbelag. Die Verkleidung der Innenwände besteht analog zu aussen aus einer weiss lasierten Holzschalung, wodurch sich das unbehandelt belassene, raumbildende Holztragwerk hervorhebt.

 

Umgebung

 

Der sich zwischen Rudolf-Diesel-Strasse und neuer Erschliessungsstrasse aufgespannte Aussenraum beherbergt neben dem Aufenthalts- und Zugangsbereich eine Bocciabahn für die Sommermonate mit einem zugehörigen Kiosk. Durch einen baumbepflanzten Grünraum wird zum neu organisierten Parkplatz eine den Aufenthalt fördernde Trennung vorgenommen. Das Gebäude selbst kommuniziert mit seiner vorgelagerten Kolonnade mit dessen Aussenraum. Ein Kiosk gewährleistet in den Sommermonaten eine optimale Nutzung.

Art
Neubau / Studie

 

Jahr

Studie 2018/2019

 

Auftraggeber

Semesterarbeit HS2018

Architekturstudium ZHAW